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EM Rom: Hudson und Pallitsch mit historischen Erfolgen

Victoria Hudson ist Europameisterin (C) ÖLV, @wolf.amri

Von Freitag, 7. Juni bis Mittwoch, 12. Juni 2024 ging im Olympiastadion von Rom (ITA) die Europameisterschaft über die Bühne – für Österreichs Leichtathletik eine historische. Victoria Hudson gewann sensationell Gold im Speerwurf und Raphael Pallitsch wurde toller Sechster über 1500 m. Mit Markus Fuchs und Magadalena Lindner waren auch zwei starke NÖLV-Sprinter:innen vertreten.

Goldener Speerwurf-Dienstag

Am Dienstag-Abend ging in Rom das Speerwurf-Finale der Frauen über die Bühne. Bereits mit dem ersten Versuch auf 64,62 m setzte sich Victoria Hudson (SVS-Leichtathletik), die Jahresbeste in Europa, gleich an die Spitze des Feldes und schockte die Konkurrenz damit sichtlich. In Runde drei wurde es aber nochmal spannend. Die schlussendlich Zweitplatzierte Adriana Vilagos (SRB) kam mit neuem serbischen Landesrekord bis auf 20cm heran und belegte mit 64,42m am Ende Rang 2. Ebenso im dritten Versuch erreichte die Bronzemedaillen-Gewinnerin Marie-Therese Obst (NOR) neue persönliche Bestleistung mit 63,50m. Danach änderten sich die Positionen der Medaillengewinnerinnen nicht mehr und der bisher größte Erfolg für Victoria Hudson war vor den Augen ihres großen Fanclubs damit fixiert. Nach Gold für Liese Prokop (Fünfkampf / 1969) und Ilona Gusenbauer (Hochsprung / 1971) war dies die erst dritte Goldmedaille für österreichische Leichtathlet:innen bei Freiluft-Europameisterschaften. 

Für Hudson wurde ein Traum war: „Mein Leben lang habe ich mir erträumt irgendwann eine Medaille zu machen, aber dass ich ganz oben stehe am Stockerl, das hätte ich mir nie gedacht. Ich war zwar die Jahresbeste mit der blauen Startnummer, da könnte man schon meinen, Hudson wird das gewinnen, aber das ist nicht das reale Leben in einer technischen Disziplin. Die anderen können das auch alle genauso, aber ich habe es heute geschafft und vielleicht am meisten an mich geglaubt und konnte die Leistung auf den Punkt bringen.”

Pallitsch sechstbester Europäer über 1500m

Raphael Pallitsch (SVS-Leichtathletik) sorgte mit Platz 6 über 1500m und einer Zeit von 3:33,60 min für ein weiteres Highlight der EM. Nach einem sensationellen 1500-m-Vorlauf, bei dem sich Pallitsch im Zielsprint um 1/100 das Finalticket sicherte, zeigte er sich im Finale nochmal unglaublich stark. Zum Rennverlauf: Die Spanier hielten das Tempo von Beginn an hoch, ab rund 600 m übernahm Favorit Jakob Ingebrigtsen (NOR) das Kommando, dadurch gab es weniger Gedränge als erwartet. Den ersten Kilometer absolvierte Pallitsch in 2:26,01min, deutlich langsamer als bei seinem Rekordlauf vor wenigen Wochen.

200m vor dem Ziel war der 34-Jährige durch diverse Positionsverschiebungen auf Position 14 wieder, setzte dann aber zu einem unnachahmlichen Finish an. In der Zielkurve musste er auf Bahn 3 nach außen gehen, um zu überholen. Die letzten 100m waren dann einfach sensationell. Pallitsch hatte viel mehr Speed als die Konkurrenz und absolvierte die Zielgerade in 13,02 Sekunden, spurtete an gleich acht Konkurrenten vorbei und erreichte einen noch vor wenigen Monaten nie erwarteten Rang 6. Mit 3:33,60 min blieb Pallitsch nur 1/100s über seinem eigenen ÖLV-Rekord und nur 1/10 s über dem direkten Limit für Olympia in Paris. Auch auf das Podest fehlten schlussendlich nur 26/100 s, sogar eine Medaille war in greifbarer Nähe. Gold ging wie erwartet an Ingebrigtsen, der mit 3:31,9 5min neuen Meisterschaftsrekord aufstellte. 

Fuchs und Lindner im Sprint

Magdalena Lindner (Union St. Pölten) bestritt den 100-m-Vorlauf und belegte mit 11,52 s insgesamt Platz 27. In der 4x100 m Staffel durfte sie dann über einen Erfolg jubeln. Das österreichische Damen-Quartett sprintete zu einem neuen ÖLV-Rekord von 43,84 s und durchbrache erstmals die 44-Sekunden-Schallmauer. Damit wurden sie starke Zwölfte.

Sehr viel Nerven- und auch körperliche Stärke musste 100-m-Sprinter Markus Fuchs (Union St. Pölten) beweisen. Aufgrund seiner Vorleistungen war der österreichische Rekordhalter gleich im Semifinale gesetzt, doch dort passiert schon fast Unfassbares. Markus Fuchs (Union St.Pölten) kam super aus den Startblöcken und lag im Spitzenfeld. Die Athleten auf den Außenbahnen hörten jedoch das Fehlstartsignal nicht, während die anderen Sprinter bereits nach rund 20 Meter abbremsten. Der im Stadion hörbare Rückschuss erfolgte erst nach rund 50 Metern.  Im laut tosenden Stadion hörten jedoch der Italiener Matteo Melluzzo und Markus Fuchs  diesen nicht und zogen die gesamte Strecke voll durch.

Zwanzig Minuten später erschien im Ergebnisbericht eine negative Reaktionszeit von -9/100s beim Niederösterreicher und eine Verwarnung für Störung des Startvorganges. Die Wiederholung des Laufes folgte dann nach dem dritten Semifinale rund 30 Minuten nach der eigentlichen Startzeit. Auch dieser Versuch endete mit einem Fehlstart vom Polen Oliwer Wdowik, der unter Protest trotzdem mitlaufen durfte. Beim nächsten Start klappte dann endlich alles, Fuchs kam bei seiner vierten EM-Teilnahme gut aus den Startblöcken und blieb bis zur Hälfte auf Augenhöhe mit den Führenden. Dann fiel er aber etwas zurück, mit 10,29s (0,7) bot der 28-jährige Hallen-WM-Finalist unter Anbetracht der Umstände aber eine sehr gute Leistung. Damit belegte Fuchs Rang 5 im Lauf und Gesamtrang 13, gerade einmal 8/100s fehlten zum Einzug ins Finale.

Road to Paris 2024

Speerwerferin Victoria Hudson ist schon fix für die Olympischen Spiele in Paris qualifiziert. Raphael Pallitsch und Markus Fuchs müssen noch zittern, denn sie hoffen auf eine Qualifikation über das World Ranking. Pallitsch konnte sich durch seine EM-Leistung auf Platz 35 (von 45) nach vorne schieben. Markus Fuchs liegt derzeit auf Platz Platz 44 (von 56). Wir drücken die Daumen für die Qualifikation!

13/06/24 16:05, Text: NÖLV Redaktion


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